Die Bengeler Zuckererbse "Simon"

Wir haben in Bengel einen besonderen Schatz: 

Die Bengeler Zuckererbse "Simon"


Auf dieser Seite wollen wir Euch diese Lokalsorte, die seit fast 100 Jahren erhalten wird und seit 50 Jahren in Bengel angebaut wird, vorstellen.

Geschichte der Erbse:

Benannt ist die Erbse nach ihrem Hauptanbauort und ihren Bewahrern, den beiden Bengeler Gärtnern Johann und Margret Simon.
Margret Simon erhielt die Erbse als junge Frau von ihrer Mutter Susanne Justen, geb. Hermann mit dem Hinweis: "Da musst Du gut drauf aufpassen, die ist etwas Besonderes".
Und Margret Simon weiß von ihrer Mutter, dass diese die Erbse seit 1918 in St. Aldegund an der Mosel anbaute und vermehrte. Woher Susanne Justen die Erbse hatte und um welche Sorte es sich ursprünglich handelte, ist nicht mehr bekannt. 
Knapp 50 Jahre später zog die Erbse mit Margret Simon von St. Aldegund um nach Bengel, wo Margret Simon mit ihrem Mann Johann zunächst zur Miete lebte und später ins eigene Haus in der Eifelstraße umzog. Seit 50 Jahren hegen und pflegen die beiden das Zuckererbschen in ihrem Garten!

Margret Simon (links) und Johann Simon (rechts) in ihrem Garten
Im Laufe der Jahre gaben die Simons die Erbse an Nachbarn und Freunde weiter und so wird die Erbse mittlerweile in wenigstens 10 Gärten im Alftal vermehrt. Regelmäßig wurde untereinander das Saatgut getauscht, um die Sorte vital zu erhalten.
Im Jahr 2010 wurde die heutige Vorsitzende Annette Fehrholz über den Obst- und Gartenbauverein Bengel auf die Erbse aufmerksam und war von diesem "Fund" so begeistert, dass sie sich vornahm, diese Erbse auch selbst zu erhalten und die Geschichte der Erbse zu verbreiten, um darauf aufmerksam zu machen, welche Kulturschätze noch(!) in unseren Gärten existieren, die es zu bewahren gilt, um so die Vielfalt der Sorten, die von der Industrialisierung der Saatgutvermehrung bedroht wird, zu erhalten.
Sie nahm die Erbse auch in ihren Garten und verglich sie dort in einem "Vergleichsanbau" mit anderen (Zucker-)Erbsensorten. Und wie sie schon vermutet hatte, erwies sich die lokal angepasste Zuckererbse "Simon" als besonders robust, wüchsig und ertragreich. Und besonders lecker ist sie auch noch!

Zuckererbsen im Juli, vorne rechts und unter Netz links
Mittlerweile hat es die Bengeler Zuckererbse "Simon" schon zu einiger Bekanntheit gebracht - zuletzt wurde sie auf der Fachtagung "Biodiversität - Förderung historischer Nutzpflanzen" des DLR Rheinhessen-Nahe im Dezember 2014 in Bad Kreuznach vorgestellt.
Und auch das Convivium Rhein-Mosel von "Slow Food Deutschland" hat Interesse an unserer Erbse, in der "essbaren Stadt" Andernach soll die Zuckererbse "Simon" 2015 im SlowFood-Garten neben einer alten Koblenzer Lokalsorte, der "Kesselheimer Zucker" angebaut werden, um die beiden Schätze einem Vergleich zu unterziehen.

Sortenbeschreibung & Kultur:

Bei der Bengeler Zuckererbse "Simon" handelt es sich um eine Sorte der Art "Zuckererbse", botanisch "Pisum sativum ssp. sativum convar. axiphium", dabei um eine "gemeine Zuckererbse".
Leider lässt sich nicht mehr nachvolziehen, aus welcher Handelssorte sie im Laufe der Jahrzehnte ausgelesen und entwickelt wurde. Heute ist sie ideal an die teils recht rauen klimatischen Bedingungen ihres Hauptanbauortes Bengel im Alftal (145-165 m über NN, späte Nachtfröste, häufiger Niederschlag) und den dort vorherrschenden schweren, lehmigen, durch Bundsandsteinanteile rot gefärbten Boden angepasst.
Auffällig ist ihre Kälteunempfindlichkeit und ihre Wüchsigkeit, sie wird ca. 1,80 m hoch und blüht zweifarbig rosa-dunkelviolett. Ihre Hülsen werden im Durchschnitt 7-8 cm lang, teils erreichen sie aber auch 10-12 cm Länge.
Aussat:
Da die Bengeler Zuckererbse "Simon" weniger kälteempfindlich ist als andere Zuckererbsensorten, kann sie schon, je nach Witterung, Mitte März ausgesät werden.
Eine versetzte Aussaat im Abstand von 2-4 Wochen ist sinnvoll, um den Erntezeitraum so lange wie möglich zu strecken. Allerdings sollte die Aussat dann bis spätestens Mitte Mai erfolgen, denn die Bengeler Zuckerrbse "Simon" blüht und fruchtet wie alle Erbsen nur im sog. Langtag (>12 Stunden Licht am Tag) und setzt bei zu großer Sommerhitze keine Frucht mehr an.
Erbsen benötigen eine Rankhilfe, z.B. Reiser (Zweige mit Seitenästen), Drahtgitter oder Netze, diese Rankhilfen müssen vor der Aussat bereits im Beet installiert werden. Ebenso möglich ist auch ein Anbau am Zaun entlang.
Die Zuckererbse wächst gerne in der Sonne, gedeiht aber auch im Halbschatten noch gut. 
Die Aussat erfolgt in Reihen mit Abstand von ca. 5 cm in der Reihe, nicht zu tief, ca. 2-3 cm. Achtung, Vögel finden gerne die Erbsen im Beet, daher am besten anfangs mit einem Vlies vor Vogelfraß schützen. Zwischen den Reihen einen Abstand von 40, besser 50 cm wahren.
Kultur:
Die Erbsen werden, wenn sie ca. 10 cm hoch sind, vorsichtig etwas angehäufelt, um die Standfestigkeit zu erhöhen.
Erbsen sind genügsam und haben keine besonderen Ansprüche an den Boden. Lediglich Staunässe vertragen sie schlecht. Eine Düngung ist nicht erforderlich, wenn das Beet mit Kompost versorgt wurde.
Es hat sich bewährt, den Boden mit Mulch zu bedecken, so werden Konkurrenzkräuter unterdrückt und der Boden trocknet nicht so schnell aus. Zudem werden über die Verrottung des Mulches weitere Nährstoffe zugeführt.
Sobald die ersten Fruchtansätze zu sehen sind, unbedingt darauf achten, dass die Erbsen mit ausreichend Wasser versorgt sind.
Nach der Ernte der Hülsen bzw. des Saatgutes die Pflanzen kurz über dem Boden abschneiden, die Wurzeln unbedingt im Boden belassen! Erbsen sind "Stickstoffsammler" und tragen so zu einer guten Versorgung des Bodens mit Stickstoff bei. Erbsen sind schlecht mit sich selbst verträglich, das Beet sollte daher möglichst nicht mehr als zweimal hintereinander mit Erbsen bepflanzt werden, danach sind einige Jahre "Pause" ratsam. 
Ernte und Verwendung:
Eine erste Ernte ist im Juni, 10-12 Wochen nach der Aussat möglich.
Zuckererbsen werden mit den Hülsen gegessen, wenn die Erbsen in der Hülse noch recht klein sind. Sie sind roh und gedünstet genießbar. Insbesondere die ganz jungen Hülsen schmecken herrlich süß, eben wie "Zucker". Die ausgereifen Erbsen bleiben übrigens beim Kochen hart, deswegen wartet man am besten nicht allzu lange mit der Ernte...  Laufendes Ernten fördert Blüte und weiteren Fruchtansatz.
Die frischen Hülsen halten sich geernet wenige Tage im Kühlschrank frisch, sie lassen sich hervorragend einfrieren, am besten roh. Dann später gefroren zum Gericht geben, so werden sie nicht allzu sehr "überkocht".
Samenbau:
Für die Saatgutvermehrung lässt man einfach die Hülsen an der Pflanze trocknen. Erbsen sind zwar relativ strenge Selbstbefruchter, eine Fremdbefruchtung durch Hummeln und Bienen kann jedoch manchmal vorkommen, so dass man, wenn man verschiedene Sorten anbaut, zur Sicherheit einen Abstand von 15-20 m zwischen den Sorten einhalten sollte. 
Am besten für die Vermehrung ganze Pflanzen aussuchen (idealerweise 10-15 Pflanzen), markieren und stehen lassen. Für die Auslese auf Wüchsigkeit, frühe Blüte und Größe der Hülsen achten.
Die papiertrockenen Hülsen aufbrechen und die Erbsen gründlich auf Löcher (Befall mit dem Erbsenkäfer) kontrollieren, beschädigte Samen aussortieren.
Die trocken Erbsen gegen Feuchtigkeit geschützt lagern, der Samen ist ca. 4-5 Jahre haltbar.

Ihr wollt die Bengeler Zuckererbse "Simon" in Euren Garten holen? 
Nehmt gerne Kontakt mit uns auf - wir werden ab 2015 einige Flächen nur zur Saatgutgewinnung bepflanzen, so dass wir unseren Schatz ab Herbst 2015 an möglichst viele Menschen weitergeben können, die sich dann aus unserer Lokalsorte ihre eigene entwickeln können.

Kontakt: Annette Fehrholz, Tel. 06532-9559379, Email: ogvbengel@gmail.com






1 Kommentar:

  1. Ein immer noch viel zu unterschätztes Gemüse! Danke für Euer Engagement und Gruß aus dem Hotel in Alta Badia

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